Deshalb wurde ich Hundetrainerin

Peanut: Kleiner Hund - große Aufgabe

So lernte ich Peanut kennen…

Ich lernte meine Hündin Peanut in einer Pflegestellle kennen, sie hatte in ihrem kurzen Leben schon eine Menge erlebt. Mit ein paar Wochen wurde sie in Rumänien auf einer Straße aufgelesen und kam über eine Tierschutzorganisation nach Deutschland. In der Pflegestelle ließ sie mit ihren sieben Wochen die anderen 14 Pflegehunde weder an den Trink- noch an den Futternapf. Sie verteidigte alles, was ihr wichtig war, bewachte Spielzeug, bellte außerdem alles und alle an und hatte panische Angst vor einigen Menschen. Trotzdem steckte sie voller Lebensfreude und Energie – das hat mich berührt und ich verliebte mich in sie.

 

Erziehung unter Druck: funktioniert nicht

Ihr Bellen, ihre Angst und das Problem ihrer Ressourcenverteidungung blieben auch nach ihrem Einzug bei uns. Zunächst versuchte ich Peanut`s unerwünschtes Verhalten zu unterdrücken und hoffte, dass es sich somit auflöste. Da ich selbst durch Schule und Studium hauptsächlich unter Druck und mit Angst gelernt hatte, war es für mich normal, auch in der Hundeerziehung so zu trainieren. Deshalb wendete ich es automatisch an – übernahm das von mir bisher Bekannte.

 

Symptome behandeln: funktioniert nicht

Bei Peanut halfen meine Erziehungsversuche nicht. Alles was ich an Verhalten unterdrückt hatte, kam an anderen Stellen hervor. Was im Nachhinein logisch ist. Denn es wäre ja dasselbe, wenn man auf einen Kochtopf mit kochendem Wasser einen Deckel schweißen und die Energiezufuhr erhöhen würde. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, bis einem der Topf um die Ohren fliegt.

So ging es mir auch mit Peanut. Wenn ich Peanut für das Anknurren von Menschen mit strengen Worten bestrafte, hing sie dem Besuch beim nächsten Mal am Bein. Durch das Unterdrücken der Symptome wurde also die Ursache, die Angst, nicht besiegt.

 

 

Positive Verstärkung: funktioniert

Ich verstand, dass ihr unerwünschtes Verhalten meist auf Angst basierte und dass es nichts brachte, dieses zu unterdrücken. Auch Hunde lernen besser in einer entspannten Atmosphäre und mit Begeisterung. Ich entschied mich für eine Erziehung, die auf positiver Verstärkung basiert, schenkte also dem erwünschten Verhalten meine Aufmerksamkeit, verstärkte es.

Es machte uns große Freude, so zu trainieren. Nicht nur Peanut, sondern auch mir machte das Training jetzt Spaß. Ich trainierte mit Peanut Dinge, die sie begeisterten, wie Tricks und Intelligenzspiele. Ich dachte mir dabei immer wieder neue Denkspiele für sie aus, um sie mental auszulasten, was ihr sehr gut tat. Während dieser Zeit entstand Dog it Yourself. Auf der Website gibt es mittlerweile über 600 Spielideen, Anleitungen für Intelligenzspiele, Tricks, Leinen und andere Dinge zum Selbermachen. Schau gerne mal vorbei.

Positive Verstärkung: funktioniert, aber …

Doch auch beim Training mit positiver Verstärkung kam ich mit Peanut immer wieder an meine Grenzen. Ich wollte Peanut nun nicht mehr mit Druck und Angst erziehen, aber…

  • Wie sollte ich mit unerwünschtem Verhalten umgehen?
  • Was soll ich tun, wenn sie ständig bellt?
  • Belohne ich durch Leckerli nicht dieses Verhalten?
  • Was sollte ich tun, wenn sie fremde Menschen anknurrte?
  • Muss ich nun immer Leckerli dabei haben?
  • Verstärke ich durch mein Verhalten vielleicht sogar ihre Angst und sollte sie besser ignorieren?

Ich fühlte mich hilflos und überfordert – kam an meine Grenzen. Mir fehlte das Fachwissen und die praktische Erfahrung. Bei Unsicherheiten schwenkte ich automatisch wieder in eine Erziehung mit Druck um. Nun war ich mit mir selbst unzufrieden, weil ich mittlerweile wusste, dass dies für uns der falsche Weg war. Der Konflikt wurde immer stärker. 

Ab auf die Schulbank Frauchen

Ich besuchte Seminare, machte Ausbildungen und versteckte mich nicht mehr in der letzten Reihe, so wie in Schule und Studium, sondern fuhr energiegeladen von einem Seminar zum anderen und saß in der ersten Bank. Das übertrug ich auf die Hundeerziehung. Ich merkte an mir, wie Lernen mit Freude und Begeisterung funktionierte. Und dies ist auch ganz logisch: Wer mit Begeisterung lernt, speichert die erlernten Informationen ganz anderes ab. Je mehr eine Information mit positiven Gefühlen verbunden ist, desto öfter wird sie durch die Bildung neuer Kontaktstellen zwischen Nervenzellen im Gehirn gespeichert. Mensch und Tier lernen neue Dinge mit Freude nicht nur schneller, sondern speichern sie gleich noch im Langzeitgedächnis ab.

 

Yippie – positive Verstärkung: funktioniert, weil …

So lernte ich vieles über positive Verstärkung und verstand die Zusammenhänge. Ich wusste, wann ich welches Verhalten belohnte und wie ich mit Peanuts Angst umgehen konnte. Auch welche Einflüsse Futter, Bewegung und Entspannung auf das Training haben können. Und es funktionierte: Peanuts Verhalten besserte sich, sie lernte mir zu vertrauen und zu entspannen.

Wie ist es heute?

Ich beachte ihre Bedürfnisse und kann sie nun viel besser einschätzen. Auch wenn sie insgesamt noch ein unsicherer Hund ist, können wir das Leben zusammen (meist) entspannt genießen.

Jede Mühe hat sich gelohnt, denn Peanut gibt mir unendlich viel zurück und letztendlich hat sie mich dazu gebracht, Hundeerzieherin zu werden.